Wenn Geschwister streiten


Es ist manchmal einfach nur anstrengend und jede Kleinigkeit, jedes Zusammentreffen mündet in Streitigkeiten. Da gibt eines das andere und schon kracht es erneut.


Die Geschwisterbeziehung ist oft die Längste im Leben und sie prägt auch lebenslang.

Je nach Alter der Kinder ist natürlich ein anderer Umgang als Eltern hilfreich.

Zunächst möchte ich aber ein paar grundsätzliche Gesichtspunkte anführen.

Konflikte gehören zu unserem Zusammenleben dazu. Sie zeigen, dass wir verschiedene Ansichten und Bedürfnisse haben.

Im Streit haben wir die Chance uns selbst und andere besser kennen zu lernen und wirklich viele Kompetenzen wie Gefühle auszudrücken, Respekt, Frustrationstoleranz, Mut, Moral, Kreativität, Loyalität und Lösungen finden zu entwickeln.


Kinder müssen das erst lernen.


So entwickeln Kinder ihre Persönlichkeit, sie stärken ihr Ich und wenn es gut läuft, lernen sie wirklich wie man Konflikte löst.


Die ersten Fragen, die wir uns zum Thema Geschwisterstreit stellen können sind:

Wie haben wir selbst als Kinder den Umgang mit Konflikten erlebt?

Was haben wir gelernt?

Wie sind unsere Prägungen? Es bleibt nicht aus, Kinder handeln, wie sie die Eltern erleben.

Vielleicht durften wir unsere Gefühle nicht zeigen, sollten brav sein. Konnten so unsere Trauer oder Wut nicht verarbeiten, vielleicht wurde auch viel tabuisiert.

Also, was haben wir selbst erlebt und leben wir unseren Kindern vor?


Gut ist es auch sich bei wiederkehrenden Streits der Kinder zu fragen, ob es vielleicht auch um einen Kampf um Zuneigung der Eltern geht. Fühlt sich ein Kind zu wenig gesehen?

Oder bei wiederholtem Streit um Spielzeug zu schauen, ob es vielleicht auch ein neues Spielangebot braucht und ein Kind dem Spielangebot entwachsen ist.

Gibt es Stresssituationen in der Familie, zwischen den Partnern, die die Kinder ausdrücken?



Doch nun zum konkreten Umgang mit Konflikten:


Wenn es irgend möglich ist, sollten wir als Eltern den Streit zunächst nicht unterbinden oder sofort eingreifen. Durch das stille Beobachten, können wir unsere Kinder besser kennen lernen und auch unterstützen.

Oft lernen Kinder schneller, je weniger wir uns einmischen.

Mehrmaliges Streiten pro Stunde ist normal.

Die Grundhaltung, kein Richter oder Detektiv zu sein, sondern Vermittler, Coach, Mediator, nimmt die Wertung raus.

Es gibt oft eine Vorgeschichte, die wir nicht kennen.

Auch sollten wir es als Eltern unterlassen zu jammern, klagen, anklagen, Schuld zuzuweisen, moralisieren und zu vergleichen.

Wenn es uns zu viel wird, lieber den Raum, je nach Alter der Kinder, verlassen, spazieren gehen oder sich anderweitig ablenken.

Wichtig ist es keine erwachsene Macht einzubringen, Aggression wird nicht mit Aggression gelöst. Keine Drohungen und auch keine Vorurteile.


Eingreifen der Eltern ist dann nötig, wenn:

  • Es zu Handgreiflichkeiten kommt. Da darf es ein klares „STOPP“ geben.

  • Keine Lösung gefunden wird

  • Sich die Kinder nicht beruhigen

Zunächst ist es wichtig die Kinder in ihren Gefühlen ernst zu nehmen, diese auch auszusprechen: „Du bist gerade aber richtig wütend oder traurig, oder…“ Wenn sich alle in ihren Gefühlen ernst genommen fühlen, ist der nächste Schritt leichter, da die Kinder oft schon etwas runtergefahren sind.

Nun ist es hilfreich zuzuhören, was sie zu sagen haben, evtl. auch nochmal wiederholen lassen und/ oder es selbst zu wiederholen was sie sagen.

Und dann die Kinder selbst eine Lösung finden lassen. Und manchmal gibt es auch keine, dann ist es eine Chance Frustrationstoleranz aufzubauen.


Auch die Frage: „Was möchtest Du?“


Natürlich dürfen Eltern dann auch Anregungen für mögliche Lösungen geben.


Ein regelmäßiger Familienkreis, an dem Schönes und Schwieriges gezielt angesprochen wird, kann dann auch genutzt werden um Streitigkeiten nochmal aufzugreifen und in einer ruhigen und entspannten Atmosphäre nochmal zu besprechen.


Wichtig ist es auch als Eltern Streits, vor allem wiederkehrende, im Nachhinein nochmal zu reflektieren, evtl. auch mit Außenstehenden. Freunde aber auch Fachleute, können ganz persönliche auf die Familie gezielt zugeschnittene Anregungen und Tipps geben.


Versuch Eure Kinder in ihren individuellen Fähigkeiten zu stärken. Behandelt sie gleichwertig, aber nicht gleichberechtigt. Ältere brauchen etwas anderes als Jüngere. Gerade z.B. in der Pubertät sind die Rückzugsmöglichkeit und der eigene Raum besonders wichtig und manchmal schwer für jüngere Geschwister auszuhalten. So gäbe es noch viele, viele Beispiele. Auch die unterschiedlichen Charaktere brauchen unterschiedliche Unterstützung.


Ich wünsche Euch viel Freude mit Euren Kindern und gutes Dranbleiben, wenn es schwierig ist.



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